"Der Zeitreisende" ist ein kurzes Abenteuer für die deutsche Ubiquity-Version von Space: 1889. Das 16 seitige Heft im Format DIN A5 erscheint zum heutigen ersten Gratis-Rollenspiel-Tag und ist in den teilnehmenden Geschäften und sonstigen Veranstaltungsorten kostenlos erhältlich, so lange der Vorrat reicht. Eine Veröffentlichung als kostenlose PDF ist nach Auskunft des Uhrwerk Verlages geplant.
Bei dem knappen Seitenumfang kann man natürlich keine epische Kampagne erwarten. Das Abenteuer ist von der Grundidee recht einfach, aber nichtsdestotrotz recht originell. Leider muss man als Spielleiter noch einige Zeit in detailliertere Ausarbeitung investieren und einige Gedanken darauf verwenden, einige Punkte im Abenteuer logisch zu erklären, damit man nicht wie der Ochs vorm Berge steht, wenn die Spieler bei einigen Punkten ihre Verständnisprobleme haben.
Die Spielercharaktere werden von einem Freund des Journalisten H.G. Wells kontaktiert. Dieser wird von der Londoner Polizei des Mordes an Wells verdächtigt, nachdem Wells spurlos verschwunden ist. In den Räumlichkeiten Wells zeigt der Auftraggeber ihnen eine von Wells konstruierte Maschine. Nach seiner Aussage verschwand Wells - in der Maschine sitzend - plötzlich samt der Maschine. Einige Zeit später tauchte die Maschine ebenso plötzlich wieder auf, allerdings ohne Wells.
Natürlich handelt es sich um die berühmte Zeitmaschine. Die Charaktere müssen zunächst die chiffriert beschrifteten Bedienelemente verstehen lernen, um dann Wells rund 800.000 Jahre in die Zukunft zu folgen. Dort treffen sie auf intelligente Riesenameisen, lebende Pflanzen und intelligente Maschinen. Und natürlich auf die Nachfahren der heutigen Menschheit. In der Interaktion mit den verschiedenen Erdenbewohnern gilt es, Wells zu finden, aus seiner misslichen Situation zu befreien und mit ihm wieder in die Vergangenheit zurückzureisen.
Einige Punkte hätte ich mit detaillierter ausgearbeitet gewünscht. So sieht das Abenteuer z.B. vor, den Schlüssel zu der - recht einfachen - Verschlüsselung durch Durchsuchung des Büros zu finden. Hier würde ich einige Bedienelemente wie z.B. Anlasser verschlüsseln und die Spieler selbst die Entschlüsselung versuchen lassen.
Auch bei den Geschehnissen in der Zukunft sind einige Punkte nicht unbedingt auf den ersten Blick logisch. Warum schicken die Pflanzen, auf die die Charaktere auf der Suche nach Wells stossen, die Charaktere zu der anderen - eher menschenfeinlichen - Pflanzensiedlung. Hier kann man sich durchaus eine plausible Erklärung einfallen lassen, aber diese Arbeit sollte vor dem Spiel erledigt sein. Und wieso kehrte die Zeitmaschine nach Wells' Ankunft in der Zukunft offenbar selbstständig in die Vergangenheit zurück? Und wie sollen die Charaktere verhindern, dass dies auch bei ihnen geschieht, wenn schon der Konstrukteur der Zeitmaschine an diesem Punkt versagte?
Auch ein paar Worte zu den Geschehnissen nach der Rückkehr der Charaktere in ihre Zeit hätten verloren werden können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Charaktere auch bei der Rückreise in der Zeit ein paar Monate nach ihrer Abreise eintreffen. Da ja Wells' Haus von der Polizei observiert wurde, dürfte das Verschwinden der Charaktere ebenfalls dem Auftraggeber angelastet werden.
Trotz dieser Kritik ist es ein Abenteuer, mit dem die Spieler bei entsprechender Überarbeitung durch den Spielleiter durchaus ihren Spass haben dürften.
James L. Cambias
Der Zeitreisende
Uhrwerk Verlag 2013
Kostenlos zum Gratis-Rollenspiel-Tag
James L. Cambias
Der Zeitreisende
Uhrwerk Verlag 2013
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